Lust auf Kunst und Lehre

Fragen von Rike Zoebelein an Prof. Ute Pleuger anläßlich der Ausstellung Zehn Jahre Klasse Ute Pleuger im Bayer Kulturhaus Leverkusen 2010

Rike Zoebelin: Liebe Frau Pleuger – Sie haben im vergangenen Jahr das 10-jährige Bestehen der Klasse Ute Pleuger gefeiert. Gratulation! Sie können stolz darauf sein, dass sich viele Ihrer Studenten inzwischen auf dem Kunstmarkt etabliert haben.
Was hat sich Ihrer Meinung nach in den 10 Jahren im Vergleich zu Ihren Anfängen als Kunstprofessorin gewandelt?

Ute Pleuger: Die Klasse, die ich 1999 übernahm, war vor allem regional geprägt. Ich habe sie geöffnet für Studierende aus aller Welt, die heute ein Drittel der Klasse ausmachen. Durch ein neues Lehrkonzept mit Arbeitsbesprechungen in der Gruppe und zahlreichen Klassenveranstaltungen und Exkursionen habe ich eine permanente klasseninterne Debatte über Kunst in Gang gebracht, die nicht unwesentlich zum Zusammenhalt der Gruppe und zu Fortschritt und Ausdifferenzierung der Einzelnen beigetragen hat. Wichtig für die Zusammenarbeit mit den Studierenden sind mir darüber hinaus Verbindlichkeit und Diskretion. So ist die Einzelkonsultation, in der auch die für die Arbeit häufig sehr wichtigen persönlichen Dinge besprochen werden können, ein wesentlicher Bestandteil vor allem des Haupt- und Meisterschülerstudiums.

Vor meiner Berufung an die Burg trat die Malerei kaum überregional in Erscheinung. Halle war – beispielsweise in Berlin – kein Begriff für ein gutes Malereistudium. Das hat sich geändert. Inzwischen gibt es neben Klassenausstellungen eine Fülle von Einzelausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen, die – zumeist in enger Rücksprache mit mir – auf Initiative der Studierenden selbst zustande gekommen sind. Mittlerweile können wir auf zahlreiche Stipendien und Preise zurückblicken und sind stolz auf sieben Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Außerdem erfreuen wir uns zusehends der bundesweiten Beachtung durch Kulturinstitutionen, Presse und Fernsehen. Ganz zu schweigen von der Flut von Bewerbungen: im letzten Jahr waren es über 120 auf fünf Studienplätze.

RZ: Was empfehlen Sie dem „Nachwuchs“ – welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man sich für ein Kunststudium entscheidet?

UP: Künstlerische Begabung, Dialogbereitschaft, Stehvermögen

RZ: Wie beurteilen Sie derzeit die deutsche Kunsthochschulenlandschaft? Was ist positiv? Was ist verbesserungswürdig?

UP: Kunst entsteht nicht nach Stundenplan. Ich hoffe, dass es den deutschen Kunsthochschulen weiterhin gelingt, sich gegen den Trend zur Reglementierung und Verschulung durch Bachelor- und Masterstudiengänge zu stemmen. Schon jetzt werden wir überzogen mit Prüfungen – und das in einem Metier, dessen Bewertung in Noten oder Punkten grundsätzlich problematisch ist. Im Übrigen ist es für den späteren künstlerischen Erfolg völlig unerheblich, welche Noten man in der Hochschule erhalten hat.

Aber auch der Druck des Marktes sollte von den Kunsthochschulen fern gehalten werden. Viel zu früh werden die Studierenden mit Fragen nach der eigenen Position und nach Strategien für deren Verwertbarkeit konfrontiert. Daß sie sich schon während des Studiums um den Verkauf ihrer Arbeiten bemühen, kann man den Studierenden nicht verdenken. Denn ihre Lebensumstände sind mangels ausreichender Stipendien zum Teil geprägt von erdrückenden finanziellen Bedingungen. Ihrem Studium aber ist das nicht förderlich. Denn auch bescheidener finanzieller Erfolg will natürlich wiederholt werden, und dann bleibt die künstlerische Entwicklung leicht auf der Strecke. In der Kunst und erst recht im Studium geht es aber nicht um Warenproduktion, sondern um geistige Deregulierung.

RZ: Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Teil in der Lehre?

UP: Anleitung zu Selbstkritik und innerer Unabhängigkeit

RZ: Was sind die größten Herausforderungen für die jungen Studierenden in Ihrer Klasse? Wo sollten sie am stärksten unterstützt und gefördert werden?

UP: Die Orientierungslosigkeit des Kunstbetriebs spiegelt die Orientierungslosigkeit der Gesellschaft wider. Ich denke an die schon lange nicht mehr neue Wertedebatte und den Verlust von Maßstäben. Demgegenüber kann die Kunst selbst Orientierung sein. Diese Erkenntnis ist im Grunde einfach. Aber sie erschließt sich nicht immer ohne weiteres. Die Studierenden auf dem Weg zu dieser Erkenntnis zu unterstützen, ist meines Erachtens eine der größten Förderungen.

RZ: Ihre Arbeit und Ihre Auseinandersetzung mit Bildender Kunst inspiriert Ihre Studenten – inspirieren diese auch Ihre Arbeit?

UP: Nein.

RZ: Was möchten Sie Ihren Studenten mit auf den Weg geben?

UP: Alles was ich weiß und kann.

RZ: Wir freuen uns schon sehr auf die Ausstellung Ihrer Klasse im Bayer Kulturhaus. Herzlichen Dank.

aus: KUNSTstoff — Das Bayer Kultur-Magazin #05 2010, Seite 12–13

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